Harz 2019

Trotz der Irrungen und Wirrungen, die nach der Fahrt an die Müritz (siehe vorhergehenden Eintrag) aufgetreten sind (Wagen defekt in Lübeck, Zustand ungewiss), habe ich beschlossen, die Fahrt in den Harz durchzuführen. Das Hotel ist gebucht und außer Abwarten kann ich derzeit ohnehin wenig tun. Zwar stimmt auch der Wetterbericht nicht gerade optimistisch, aber das Ziel der Reise soll es ja auch sein herbstliche Fotos im Harz aufzunehmen – und da ist halt nicht jeden Tag nur Sonnenschein. Schließlich hatte ich gerade dafür das neue Superweitwinkelobjektiv von Leica (8-18 mm) angeschafft. Und das sollte nun zum Einsatz kommen.

 Mittwoch 09.10.2019

Also die Sachen gepackt und mit dem Mietwagen in Richtung Braunlage. Aufgrund der Herbstferien ist die Verkehrslage jedoch verheerend und die Tour dauert ein ganzes Stück länger als vorgesehen. Dennoch komme ich gegen 15:00 Uhr am Zielort an. Schnell einchecken und Ausrüstung zusammenstellen und dann los zur ersten Tour.  

 Für den ersten Tag habe ich mir die Warme Bode mit den kleinen und großen Bodefällen ausgesucht. Der Wanderweg zur Bärenbrücke beginnt gleich hinter meinem Hotel. Immerhin darf ich in diesem Zusammenhang lernen, was Sprühregen beziehungsweise starker Sprühregen ist. Auf jeden Fall ist dieser nass und ziemlich unangenehm. Gut nur, dass die Fotoausrüstung Spritzwassergeschützt ist und von daher keine Grenzen gesetzt sind. Auf dem gut dreieinhalb Kilometer langen Weg geht es zunächst stetig bergauf. (Zumindest aus norddeutscher Perspektive ist die Steigung schon beträchtlich). Der herbstliche, regennasse Wald hat für ausdrucksstarke Bilder einiges zu bieten. Insbesondere die Stromschnellen und Wasserfälle (zugegebenermaßen recht kleine), sind schöne Motive. Und ab und an schaut sogar die Sonne hinter den Bäumen hervor. Abendessen gibt es dann ganz regionaltypisch beim örtlichen Griechen, da – und da war wieder das mit den Ferien – woanders kein Platz zu bekommen war.

 Donnerstag 10.10.2019

Auch am zweiten Tag hat sich das Wetter zunächst von seiner feuchten Seite gezeigt. Starker Sprühregen in horizontaler Ausrichtung hat zunächst dazu geführt, dass das Aufstehen dann doch nicht ganz so früh von statten ging wie vorgesehen. Nachdem der Regen etwas abgeflaut ist, geht es dann Richtung Thale, wo zunächst eine größere Herausforderung auf mich wartet. Vorgesehen ist eine Wanderung vom Hexentanzplatz runter ins Bodetal. Um hier noch einmal meine norddeutsch geprägte Kondition zu erwähnen (ja, der Scheersberg ist ein Berg!) muss ich feststellen, dass ich eher bereit bin mein Leben zu riskieren, als knappe 400 m Höhenunterschied zu Fuß zurückzulegen. Also mache ich mich auf den Weg zur Seilbahnstation, kaufe ein Ticket und sehe zu, dass ich keine grüne Gondel erwischte, da diese – wie wir vor fünf Jahren bei unserem ersten Aufenthalt hier lernen durften – über einen Glasboden verfügt. Das ist des Guten dann doch zu viel… Die Seilbahnfahrt ist dann auch so schon schlimm genug. Der doch recht böige Wind sorgt dafür, dass die Gondel ordentlich hin und her schaukelt. Muss man mögen… Meins ist es jedenfalls nicht. Aber mit geschlossenen Augen und stillen Gebeten bin ich dann doch irgendwann oben angekommen. Und der Blick zurück hat sofort gezeigt, das Ganze war es dann doch wert.

 Auch oben lässt sich sofort erkennen, dass die Ferienzeit begonnen hat. Zahlreiche Menschen tummeln sich auf dem Hexentanzplatz. Ich nehme mir die Zeit, die Aussichtspunkte zu besuchen, von denen ein sehr schöner Blick ins Tal bzw. auf die umliegenden Felsformationen zu sehen ist. Fotografieren werde ich heute vor allem mit meinem absoluten Lieblingsobjektiv, dem Leica 50-200 mm, das auf so einer Tour die meisten Möglichkeiten bietet und auch in Punkto Gewicht gut zu händeln ist. Daneben kommt auch das neue Weitwinkel zum Einsatz, das doch eine gewisse Herausforderung mit sich bringt. Einfach nur viel Raum erfassen zu können reicht nicht aus, um ansprechende Fotos zu machen. Deshalb probiere ich viel aus und sehe zu, dass ich auch immer etwas in den Vordergrund platziere. Ganz nach der alten fotografischen Weisheit: Vordergrund macht Bild gesund! Da es doch recht diesig ist, erweist sich der mit dem Objektiv angeschaffte Polfilter als wahrer Glücksfall. Mit seiner Hilfe schaffe ich es, ganz ansehnliche Bilder zu produzieren. Der Abstieg dauert gut 1 ½ Stunden, da ich immer wieder halt mache, um zu fotografieren. Es geht über zum Teil steile Serpentinen auf nassem Laub und rutschigen Felsen Richtung Tal. Unten angekommen gibt es erstmal Kaffee und ein Stück Kuchen und dann geht es wieder zum Parkplatz. Auf der Fahrt nach Braunlage mache ich immer wieder halt, da die Sonne die Freundlichkeit besitzt sich ab und an mal blicken zu lassen und das herbstliche Laub toll in Szene setzt.

 Abends gibt es dann Hirschmedaillons im nahegelegenen Alten Forsthaus in Braunlage. Sehr lecker. Spontan beschließe ich, auch am nächsten Tag hier abends einzukehren. 

 Freitag, 11.10.2019

Der Wetterbericht, der ohnehin schon nicht nobelpreisverdächtig ist, sagt für heute noch mehr Feuchtigkeit voraus. Ich nehme mir deshalb vor, noch einmal zu den Bodefällen zu laufen (im Wald ist der Regen weniger schlimm) und nachmittags mal in Schierke vorbeizuschauen. Hier gibt es auch einen interessanten Bergwald mit dem Schierker Feuerstein (der Richtige, der aus Stein, nicht der Kräuterschnaps) und auch die Brockenbahn kann interessante Motive liefern. 

 Manchmal kommt alles anders… Nachdem das Wetter sich gebessert hat war es schon knapp Mittagszeit und von daher bin ich erstmal Richtung Bode losgezogen. Hier war neben dem kleinen Bodefall vor allem das Thema Pilze auf der Tagesordnung. Und wenn man erstmal dabei ist Motive zu suchen und aus dem richtigen Winkel und mit dem richtigen Licht in Augenschein zu nehmen, dann vergehen die Stunden wie im Flug. Auch hier hat das Rollei Stativ gute Dienste geleistet. Zusätzlich habe ich noch meine Filmleuchte aufgebaut, die Licht in verschiedensten Stärken und Farbtönen (alle weiß) produzieren kann. Ein toller Tag im Bergwald.

Aufgrund des abnehmenden Lichtes (schon ab dem frühen Nachmittag) war dann Tagebuchschreiben, Bilder durchsehen und Lesen dran. Auch schön, wann kommt man sonst schon dazu.

Abends dann wieder ins Alte Forsthaus. Diesmal Kürbissuppe und Wildschweinmedaillons. Auch sehr lecker, wenn auch nicht ganz so zart wie der Hirsch.

Morgen geht’s dann noch mal zum Wasserfall in Radau und an den Okerstausee und von da aus dann wieder nach Hause.

Samstag 12.10.2019

Auch der Samstag hält wettertechnisch nur bedingt was er (bzw. wetter.com) verspricht. Nach einer kleinen Einkaufstour im Ort, bei der noch regionale Spezialitäten für zu Hause besorgt werden (Reh- und Wildschweinschinken, Hirschsalami und Schierker Feuerstein - wo ich das Original schon nicht gesehen hab). Dann wird noch einmal beim Wasserfall von Radau gehalten, wo ich noch eine ausgiebige Fotosession abhalte. Wieder mit der G9 und dem Leica 50-200 mm Objektiv. Allerdings dieses mal mit Polfilter, um die Farben besser einzufangen und zu viele Spiegelungen zu vermeiden.

Danach - der Okerstausee muss bis zum nächsten Besuch warten - geht`s Richtung Roikier. Schon auf Höhe Hildesheim heißt es im Wetterbericht "Braunlage,  14 Grad, stark bewölkt", also schon wieder alles richtig gemacht. Gegen 17 Uhr bin ich dann wieder zu Hause. Und das sogar mit dem selben Auto, mit dem ich losgefahren bin...

Alles in allem eine schöne Tour mit vielen herbstlichen Impressionen und genügend Möglichkeiten zur Fotografie. 


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